Hyperproduktivität durch Prokrastination

05.03.2026
"Nur Arbeit schafft Arbeit" - Adolf Hitler (1937)

Wir assoziieren mit der Prokrastination, also dem Aufschieben von unliebsamer Arbeit, etwas negatives. Ich möchte Ihnen beweisen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Ich werde sogar so dreist sein, und behaupten, dass wir nie produktiver sind als wenn wir prokrastinieren.

Normalerweise fällt es mir, wie wahrscheinlich den meisten von Ihnen, schwierig eine Aufgabe, welche keine immanente Zeitschranke hat, anzufangen. Wenn man denn mal angefangen hat, geht es doch sehr gut voran und es ist eigentlich auch gar nicht schlimm.

Nun habe ich aber dieses Phänomen der Hyperproduktivität während der Prokrastination einer zeitlich nahe rückenden Aufgabe feststellen dürfen. Der Arbeitsmodus ist automatisch aktiviert, wenn eine wichtige Zeitschranke (Deadline) bevorsteht. Sprich, der Körper und Geist sind bereits vollkommen aufs Arbeiten fixiert. Nun hat man aber dennoch innerlich eine große Resistenz gegenüber der unliebsamen Aufgabe, die sich rational überhaupt nicht erklären lässt.

Ich habe nun das Phänomen bei mir regelmäßig feststellen dürfen, dass ich dann ganz automatisch die unliebsame Aufgabe immer noch weiter hinauszögere, indem ich andere 'kleinere Übel' zuerst erledige, die überhaupt nicht zeitsensitiv sind. Z. B. fange ich an die Wohnung zu Saugen, säubere meine Email-Postfächer und räume die Bude auf, alles nur, um das 'größere Übel' hinauszuzögern. Wie sich der ein oder andere bereits vorstellen kann, ist dieser Artikel genau ein solches Produkt der Hyperproduktivität der Prokrastination.

Wir sind nämlich zu weit mehr in der Lage, insbesondere wenn es einfach jetzt 'klappen muss.' Die Hyperproduktivität erlaubt es uns, massive Mengen an Arbeit in kürzester Zeit zu erledigen, einfach nur weil wir in einem hyperfokussierten Zustand sind. Bis heut Abend, werde ich Arbeit geleistet haben, für die ich vielleicht sonst Wochen gebraucht hätte, hätte ich keine Prokrastinations-Aufgabe über meinem Nacken hängen gehabt.

Viele finden diesen 'Stress' als sehr unangenehm. Ich kann dies nachvollziehen, mir dreht es sich auch im Magen und meinem Kopf ist nichts als Arbeit zuzumuten. An einen Spaziergang ist nicht zu denken. Sollte ich aber das Damokles-Schwert bearbeitet haben, dann ist sämtliche 'Motion' raus. Dann wird heut gar nichts mehr geschafft.

Das bedeutet für den 'enterprising Human,' dass er sein Übel bewusst wählen darf. Arbeit schafft mehr Arbeit und Entspannung schafft mehr Entspannung.

Mir persönlich reicht der Druck nach diesem Artikel für heute und ich werde mich nun meinem Damokles-Schwert widmen.

Der Flow-Mensch lässt sich also viele Aufgaben anhäufen, bevor er schlagartig in Aktion tritt. 'Optimizers' sind mal wieder down bad.

Viel Erfolg und Spaß

Euer Volker Hütter